6.30 Uhr ist schon Abmarsch. Obwohl die Nacht fuer mich ganz ertraeglich war.
Herr R. ist auch schon unterwegs, er will jedoch in Sunavi bleiben, uns reichte allen eine Tasse Tee und los geht es. Der Weg verlaeuft ruhig, wir gegen ja entgegegn der Massen :-) Die Sonne scheint, keine Eile mehr – ich fuehl mich wohl. Gegen 11.00 Uhr sind wir in Sunavi, R. ist auch schon da. Sein Traeger nicht ! Der ist mit “our Traeger” losgegangen, dass machen die beiden schon seit einigen Tagen. Man und ich vermuten dass beide nach Chomrong gegangen sind, dort gibt es sehr guten Rakhsi – ich hab ihn selber probiert. Na ja, auf jeden Fall kriegen wir beide ausser Sichtweite erstmal einen Lachanfall :-) Dabei ist dass u.U. gar nicht lustig, hier ist schon so manchem der Traeger samt Gepaeck abhanden gekommen. Meist ist das Gepaeck dann doch wertvoller als der Verdienst, shit happens. Aus jeden Fall kommt der Herr R. uns irgendwann hinterher gelatscht auf den Spuren seines Traegers. Und richtig – in Chomrong sitzen die beiden gutgelaunt beim erwaehnten Getraenk und haben das feixen geradezu gepachtet :-)
Um 13.00 Uhr sitz ich bereits geduscht beim Bier in der Sonne. Nur dort drueben im Tale, da ziehen gewaltig die Wolken rein, dunkele Wollen und tief, sehr tief. Hmmmm … Und dann fliegt der Rettungs-Heli dort rein, der kommt jetzt noch hoechstens bis Doban, so tief und dicht stehen die Wolken dort drueben …
Ich sitze aber erstmal in der Sonne, R. kommt auf ein Bier rueber und gemeinsam mit der Frau S. und dem Herrn D. aus unserem Laendle schwaetzen wir so daher. Spaeter erzaehlen die beiden mir dann sehr gluecklich, dass der Herr D. seiner Frau R. oben am Tilichio See auf der Annapurna Runde doch glatt einen Heiratsantrag gemacht hat ! Und das deren Guide sie dann in sein Dorf mitgenommen hat, die Damen des Ortes flugs ein Hochzeitskleid schneiderten und das ganze kleine Dorf dann beiden eine etwas gekuerzte hinduistische Trauzeremonie angedeihen hat lassen :-) Wie schoen romantisch :-) Seufz …
Der so begonnene Abend endet dann aber leider sehr unromantisch. Waehrend unseres Essens kommt beider Guide ziemlich ernst zu uns und bittet den Herrn D. – seines Zeichens Mediziner – dringend sich doch bitte einen Traeger, der bewegungslos in der Medizinbaracke von Chomrong liegt, anzuschauen. Dieser sei von anderen Traegern in einer Tragekiepe (!) vom MBC in einer Gewaltaktion runtergetragen worden, nachdem der Rettungs-Heli, der bereits heute drei Mal (!) oben war, sich weigerte den Mann mitzunehmen ! Frau S., medizinisch auch studiert, will direkt mitkommen, der Herr D. mag aber erstmal alleine gehen. Nach gut einer dreiviertelstunde wird die junge Frau aber langsam nervoes, dass dauert Ihr alles entschieden zu lange … Ich werde gebeten fuer den Fall der Faelle evt. unseren Traeger, Guide und auch mich samt Certec – Bag zur Verfuegung zu stellen. Und weg ist Sie.
Und ich bleibe lange wach, hoere aber nichts mehr an diesem Abend und in dieser Nacht. Trotzdem ich nichts mehr hoere schwant mir uebeles und wie ich gestrickt bin, steigt schon mal langsam eine unendliche Wut in mir hoch ! Klar, so einen Traeger mitzunehmen kostet ja Geld und die medizinische Behandlung auch. Und das ist der wohl keinem Wert gewesen. Es ist unfassbar ! Ich ueberlege mir jetzt mal in Ruhe was denn passiert wenn gleich wirklich meine / unser Hilfe notwendig wird. Wie werde oder muss ich den entscheiden wenn der Heli gebraucht wird. Wer bezahlt das dann. Immerhin, Intrek (meine Agency) hat vier eigene Helis die Man Kaji rufen koennte. Und mir wird sehr schnell klar wer diese Zeche zahlen wird. Na gut, dann wartet die Harley halt noch drei vier Monate. Ich bin mit mir voellig im reinen – ich kann aus dieser Geschichte jetzt nicht mehr raus – ich will auch gar nicht. Zu viele scheinen heute schon weggeschaut zu haben, irgendwie bin ich nicht nur stocksauer sondern auch traurig ueber so viel Desinteresse …
Tags: Nepal
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