Kelsang Namtso

Campaign for Tibet war als Organisation auch bei den Veranstaltungen des Dalai Lama´s in Hamburg vertreten.

Weil ausverkauft habe ich dort ein Video bestellt, welches bei der Preisverleihung des “Cinema for Peace” 2007 in Berlin dort aufgenommen wurde. Es ist die sehr bewegende und traurige Ansprache von Richard Gere, in der er die Filmaufnahmen eines rumänischen Kameramanns und Bergsteiger von der Erschießung der nach Nepal flüchtenden 17 jährigen buddhistischen Nonne Kelsang Namtso zum Anlass nimmt, auf die Verhältnisse, unter denen die Tibeter in ihrer Heimat in der Unterjochung durch die Chinesen leben müssen, hinzuweisen.

Leider finde ich dieses Video nirgends im Netz, zum selbst hochladen fehlt mir
a. die Kenntnis und b. vermute ich, dass ich irgendeinem Rechte verletzten könnte.
Obwohl es sicher aufrütteln würde. Aber, na ja ….

Wer es sehen möchte meldet sich bei mir – immer gerne.
Auch wenn die Filmsequenzen hart sind.
Weil es mir ein Anliegen ist.

Wer die Rede schon mal lesen möchte, ich hab sie abgeschrieben (die deutschen Untertitel) und sie folgt hier. Ich möchte aber betonen – das kurze Video, von dem Tibet Kenner Richard Gere vorgetragen, ist sehr bewegend, die Worte alleine hier geben es natürlich nicht wirklich wieder.

Hier also:

“Ein junges, 17 jähriges Mädchen, namens Kelsang Namtso, sie lebte auf einem Bauernhof, mit vielen Brüdern und ihren Eltern, es war ein sehr sehr hartes Leben für alle.
Das Mädchen hatte den Herzenswunsch, eine buddhistische Nonne zu werden. Ihre Mutter sperrte sich zunächst dagegen, aber sie hatte sich entschieden. Sie wollte es um jeden Preis, aber es gab keinen Ort für ein Studium, den die Chinesen hatten ihr ein Studium unmöglich gemacht, geschweige denn den Eintritt in einen Orden. Sie hätte den Dalai Lama verleugnen müssen, doch eher hätte sie sich umgebracht. So fasste sie den Entschluss nach Indien zu gehen, um Seine Heiligkeit, den Dalai Lama, zu treffen.
Zögernd willigt ihre Familie ein und brachte wie ein Wunder die Summe von umgerechnet 520 Dollar auf. Ein Bergführer wurde angeheuert, ein Gruppe von ungefähr 70 Menschen fand sich zusammen, alle mit dem Ziel Tibet zu verlassen. Bei Nacht und Nebel packt sie ihre Sachen, und fährt mit der Gruppe in einem LKW Stunden fort von ihrem Heimatort. Ihr wurde mitgeteilt, dass es höchstens zwei Tage Fussmarsch über den Nangpa Pass nach Nepal dauern würde. Das ist der Weg, den die meisten Flüchtlinge nach Nepal und weiter nach Indien nehmen. Nach weiteren ermüdenen Stunden Fahrt, steigen sie aus und stellen fest, dass die Gruppe größer ist als erwartet. Sie marschieren bei eisiger Kälte mitten in der Nacht los. Die Strapazen werden immer unerträglicher, zwei Tage, fünf Tage, zehn Tage gehen vorüber. Unter ihnen sind Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren, Frauen, Nonnen, junge und alte Männer. Sie schleppen sich zehn Tage weiter. Die Essensvorräte sind bald aufgebraucht. Sie sind am Verhungern, sie haben kaum mehr die Kraft sich zu bewegen. Es ist bitterkalt, sie haben weder Zelte noch Schlafsäcke. Sie tragen Turnschuhe, zu dünne Kleidung, manche eine Jacke oder eine Mütze. Sie tragen ihre Habseligkeiten in handgemachten Rucksäcken. Am 22. Tag sind sie buchstäblich dem Hungertod nahe. Einige der Kinder verlieren das Bewußtsein, aber sie halten bis zum letzten Tag durch. Ihrem letzten Tag, sie sind nur eine halbe Stunde von der nepalesischen Grenze entfernt. Direkt hinter der Grenze befindet sich das Auffanglager, das ich sehr gut kenne. Dort werden die Flüchtlinge aufgenommen, es gibt medizinische Hilfe, Essen und Trost. Dort sind auch tibetische Freunde, die geschult sind im Umgang mit Flüchtlingen. Sie sind nur eine halbe Stunde von der Grenze entfernt, als plötzlich chinesische Grenzpolizisten auftauchen. Sie zielen mit ihren Präzisionsgewehren und eröffnen das Feuer. Diese junge Nonne trifft eine Kugel in den Bauch und sie fällt verletzt in den Schnee. Nur noch eine halbe Stunde. Sie befreit sich von ihrem Rucksack, die anderen laufen weiter, sie versuchen zu entkommen, ihnen ist klar, dass die Grenzpolizei ihnen überlegen ist. Sie laufen hier hin, sie laufen dort hin, die Gruppe bricht auseinander, 20 in die eine, 20 in die andere Richtung. Einige von ihnen erreichen das Lager der Bergsteiger, die zufällig dieses Filmmaterial aufgenommen haben. Sie wurde einfach im Schnee liegengelassen. Sie läßt ihren Rucksack liegen und kriecht mühsam durch den Schnee. Sie schafft es einige Meter weiter, dann bricht sie in sich zusammen. Den Bergsteigern verschlägt es den Atem, sie wissen nicht wie sie sich verhalten sollen. Der Kameramann fühlt sich nicht in der Lage weiterzufilmen, er erstarrt. Sie beobachten die Grenzposten, wie sie den leblosen Körper aufheben. Sie durchsuchen ihre Papiere und wissen nicht was sie tun sollen und werfen den Körper wenig später in eine Gletscherspalte. Die Kinder werden gefangen genommen, die eine Hälfte kann fliehen, die andere nicht. Einige suchen Zuflucht im Camp der Bergsteiger. Der Kameramann versteckt einen der Flüchtlinge im Toilettenzelt. Als die Grenzpolizei nach ihm sucht, wird er weiterhin versteckt gehalten. Er ist völlig verängstigt und man versorgt ihn mit Essen und Kleidung.

Das ist das Leben der Tibeter.

Als man die chinesische Regierung mit diesem Beweismaterial konfrontierte – und solch einen Beweis gab es die letzten 50 Jahre nicht – behaupteten sie, die Schüsse wären aus Notwehr angegeben worden, was natürlich völliger Unsinn ist. Sie erklärten, dies gehöre zur “normalen Grenzverwaltung”. Ich denke, wir alle glauben, dass dieses Verhalten 1989, 1990 mit der Wandlung der damaligen Sowjetunion, mit dem Fall der Mauer ihr Ende fand. Dass das Erschiessen von unbekannten Zivilisten, die aus einer Ausweglosigkeit entkommen wollen, auf der Suche nach etwas Besserem, wie wehrlose Tiere abgeschossen werden.
Das macht mich krank. Ich habe dieses Filmmaterial mehrere Mal angesehen, um mehr zu erfahren über diese junge Nonne Kelsang Namtso, über dieses schwarze Etwas, das in den Schnee fällt und sich nicht mehr bewegt. Dies war ein Mensch aus Fleisch und Blut. Sie brauchen verzweifelt unsere Hilfe.
Heute Abend geht es darum, was die Deutschen tun können, was die Bundesregierung tun kann, was Frau Merkel tun kann. In jedem Gespräch, was mit den Chinesen geführt wird, muss dies angesprochen werden. Der Rahmen über den Umgang mit den Chinesen, die Art und Weise wie wir mit der neuen Supermacht umgehen, selbst die Führung Chinas weiß nicht, wohin der Weg geht, denn es verändert sich alles so schnell. Wir sind verantwortlich dafür, dass dies geschieht.
Jedes Mal, wenn es um China geht, muss das Thema Tibet angesprochen werden.
Auch Kelsang Namtso muss zur Sprache gebracht werden.
Die Leute, die Individuen, Brüder, Schwestern, Väter, Söhne, Töchter, die Opfer von Ideologien und Vorstellungen werden, das sind wirkliche Menschen, und es gibt niemanden, der ihnen helfen wird, außer den Menschen hier in diesem Raum.
Tibet ist ein Juwel, das nicht zerstört und unserem Planten verloren gehen darf. Ich bitte sie von ganzem Herzen, immer wenn sie an China denken, denken sie TIBET. Überlegen sie, was sie tun können, um diesen armen Menschen aus der Not zu helfen. Jedes mal wenn sie das Wort “China” hören, denken sie TIBET. Denken sie an dieses Juwel, dieses Juwel, diese Kraft der Liebe, Mitgefühl, Vergebung. China – TIBET, TIBET – immer, wenn es zur Sprache kommt. Vielen Dank !