Bezahlen, eine ethisch moralische Frage ?

Gedanken zum Zahlungsverhalten muss ich mir allein beruflich tagtäglich machen. Und es wird nicht besser. Ich hab mich ja schon mehrfach hier darüber ausgelassen, da ging es um eine private säumige Zahlerin.

Da es aber auch im Berufsleben immer schlimmer wird, hab ich mir mal einige Gedanken zur moralisch ethischen Seite dieses Vorgangs gemacht.

Ich seh das mal so:

Wenn ich eine Leistung erbracht habe, ob privat oder noch viel schlimmer in der Konsequenz beruflich, dann möchte ich als Honorierung dessen natürlich auch gerne die kleinen bunt bedruckten Scheine haben die mir zustehen. Denn nicht nur ich habe meine Leistung erbracht, sondern auch meine Kollegen, die das Material verarbeitet, verladen und ausgeliefert haben. Und diese Kollegen sind, ohne arrogant klingen zu wollen (!), vom Gehaltsniveau sicher nicht ganz so gestellt wie ich.

Wenn also die Zahlung nicht erfolgt, hab nicht nur ich das Nachsehen sondern die Kollegen auch. Im schlimmsten Falle nämlich, und das ist ja gängige Praxis, kann die Firma wegen solcher Zahlungsverweigerer Insolvenz anmelden. Und wenn wird es dann wohl am härtesten treffen ?

Also folgere ich wie folgt:

Zahlt jemand nicht, mißachtet er der Kollegen und meine Leistung in einer ganz eklatanten Art und Weise ! Er wiederspricht damit allen moralisch ethischen Grundsätzen des Lebens und auch des geschäftlichen Umgangs.

Und sollte folglich von diesen ausgeschlossen werden.

Leider ist die Verfolgung solcher Zeitgenossen recht aufwendig und nicht immer von Erfolg gekrönt. Existiert doch in unserer Republik eher Täter- den Opferschutz. Aber unter keinen Umständen sollte dieser Versuch hinten an stehen. Bin ich es doch auch den Kollegen gegenüber schuldig !

Wobei wir beim nächsten Schuldverhältnis angekommen sind. Moralisch zumindest … Oder ?

2 Gedanken zu “Bezahlen, eine ethisch moralische Frage ?

  1. Das mit dem Auto ist übrigens ein wesentlicher Punkt, einige werden wissen warum es geht, aber auch Reisen oder ähnliche „Fremdaufenthalte“ sprechen eine deutliche Sprache.

    Aber noch zwei andere Betrachtungsweisen …

    Ich finde es privat wie auch beruflich gar nicht dramatisch, wenn jemand mal in Zahlungsengpässe gerät. So was kann trotz bester Planung mal vorkommen. Dann nimmt der Mensch sein Telefon, ruft mich mal kurz an, vereinbart eine klar formulierte Rückzahlungsvereinbarung, hält sich auch dran und alles wird gut ! So furchtbar einfach ist das. Und solche Gespräche führe ich stets (und auch öfters) mit großer Ruhe.

    Das diese, für den Schuldner sicherlich nicht angenehmen Gespräche, aber seltenst zustande kommen hat aber bedauerlicherweise auch nun folgenden Grund. Bei näherem Hinsehen und Betrachtung der eigenen Lebenssituation stellen viele Menschen fest, dass sie immer nur rennen und sich teilweise auch richtig abstrampeln müssen, um einigermassen über die Runden zu kommen. Wer das zu gerade verantworten hat mag jetzt mal dahingestellt sein.
    Bei dieser Gelegenheit kann man dann häufig feststellen, dass andere einfach „abgewichster“ sind und nichts tun, das Sozialamt hilft schon und für sagen wir mal 200,- € kräht ja doch im Endeffekt kein Hahn. Und so stehen moralische Bedenken irgendwann hinten an, und dummstellen ist vermeintlich billiger.
    (Ganz besonders dumm aber wird es, wenn irgendein Gläubiger dann doch mal „durchzieht“. Und nach einem Mahnbescheid ist das soziale Leben eigentlich erstmal ziemlich am Ende. )
    Aber so oder ähnlich baut sich das System der „Nichtbezahlerei“ in Deutschland auf. Vielfach sind es eben Vorbilder, die zu diesem Verhalten führen. Ich kann die Gedankengänge schon ganz gut nachvollziehen, manchmal sogar ein wenig Verständnis dafür aufbringen, nur toll find ich das eben gar nicht.

  2. Und ganz besonders schlimm ist es, weil man bei den meisten Waren oder Dienstleistungen vorher weiß, wie viel es am Ende kosten wird. Da kommen für gewöhnlich keine Überraschungen auf einen zu. Da sollte man sich schon vorher überlegen ob man diese Dienstleistung in Anspruch nehmen kann – oder sollte.

    Andererseits liegt die schlechte Zahlungsmoral aber sicherlich gerade an der um sich greifenden Armut in Deutschland. Die, die etwas haben, wollen das auch zeigen um sich von den Ärmeren abzugrenzen, und die Ärmeren wollen nicht als solche erkannt werden.

    Deshalb fahren Menschen Autos die sie sich nicht leisten können, gehen auf Partys und lassen sich in neuer Kleidung sehen um in der Gesellschaft anerkannt zu werden. Vielleicht sollten die Menschen auch lernen, andere nicht nach Kleidung oder Lebensstil zu beurteilen, sondern nach ihren positiven Eigenschaften…

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