Ein einfacher Mönch

Wie soll ich das erlebte jetzt nur in Wort und Schrift umsetzten ?

Einfach zu schön, aufregend, entspannt, freundlich, lustig und tiefsinnig war es, mir fehlen und fehlten vielfach die Worte – kurzum, es war wunderbar und sehr sehr beeindruckend.

Alleine die Athmosphäre im Rothenbaumstadion war hinreißend.

Ringsum meine so geliebten Gebetsfahnen, Borden und über dem Eingang das Rad des Lebens mit den Gazellen, fast wie in Tibet und Nepal. Gegenüber ein Markt mit Begegnungsstätte, ich war in Kathmandu angekommen :-)

Die Menschen, alle so ruhig, freundlich, freudig gespannt. Kein Gedränge, kein böses Wort, allgemeines Lächeln. Selbst die Sicherheitskräfte lachten und waren ausgesprochen zuvorkommend. Im Stadion selbst, es waren immerhin gut 10.000 Leute dort, ein helles freudiges Rauschen der Stimmen, Lachen, Kindergeschrei – ich habe noch nie so etwas bei so vielen Leuten erlebt. Und später dann, Stille ! Man hätte eine Stecknagel fallen hören können.
Eine Diskussionsteilnehmerin sagte später, die Athmosphäre und das Rauschen der Stimmen klängen wie die rauschenden Bäche Tibets. Wunderbar ausgedrückt !

Und als wäre das nicht schon schön genug gewesen, meine Nerven waren eh schon leicht angespannt, erklingt plötzlich „Om mani padme hum“, vielen von euch selbst gut bekannt. Das musikalisch umgesetzte Mantra Avalokiteshvaras, in Kathmandu an jeder Ecke zu hören – bei mir jetzt gerade während des Schreibens auch :-)

Dann eine kurze Ansage von Roger Willemsen, der die Wochenendveranstaltung moderiert hat, das gesamte Stadion steht, der Vorhang wird ein wenig aufgehalten und seine Heiligkeit, der 14. Dalai Lama betritt mit zum Gruss gefalteten Händen die Bühne.

Tobender, stetig anschwellender Applaus, lachende, weinende Menschen verneigen sich und so manch stiller Gruss und Gebet wandert durchs Stadion während S.H. rings um die Bühne geht und die Menschen lächelnd und freundlich mit dem traditionellen Gruss begrüßt.

Dann ein kurzer Wink, S.H. setzt sich und das Publikum mit Ihm, und dann nur noch Stille. Nur unterbrochen wenn mal ein Kind lacht oder weint – was von S.H. dann mit einem aufmunternden Lächeln quittiert wird :-)

Diese Prozedur wiederholt sich von nun an jedesmal während dieses Wochenendes.
Der Vortrag über die „Praxis der Gewaltlosigkeit“ sowie die Podiumsdiskussion finden Samstags morgen, mittags und Sonntagvormittags statt. Am Sonntagnachmittag hält S.H. noch einen Vortrag über das „Mitgefühl in der globalisierten Welt“. Und jedesmal dieser Empfang – es ist umwerfend.

Gleichzeitig sind die Art und Weise, der Ausdruck und die Worte S.H. so beeindruckend in ihrer Klarheit und Einfachheit, dass es für mich als sehr interessierten Zuhörer schon fast wieder unverständlich erscheint. Voller Staunen registriere ich und mit mir das schwarzhaarige Mädchen die Botschaft.
S.H. spricht die Vorträge komplett in klarem Englisch, gut zu verstehen und die Übersetzung kann man sich fast schenken. Beeindruckend auch die Stimmlagen des Dalai Lama´s. Dunkel und tief, freundlich um im nächsten Moment in eine belustigend hohe Tonlage zu wechseln. Häufiges Lachen zwischendurch, die Menschen lachen entspannt mit, es macht Freude ihm zuzuhören. Nur bei ernsten Botschaften, da verändert S.H. sich deutlich. Kurze knappe tief gesprochene Sätze, ein Fingerzeig oder sogar das Aufeinanderschlagen der rechten Handkante auf die linke Handfläche unterstreichen die Wichtigkeit der Botschaft.

Und schon nach gut einer Stunde wird mir noch klarer, dass mein Bemühen doch noch sehr am Anfang steht, geradezu himalayahohe Hürden sich da vor mir auftun und deren Überwindung und die Umsetzung, gerade in dieser westlichen Hemisphäre, sich nicht nur mehr auf dieses Leben erstrecken wird :-) Vieles läßt sich bei näherem Nachdenken nicht mehr so richtig aufrechterhalten, und ich hoffe sehr, dass ich auch in einem halben Jahr noch daran denke …

Bereits am Sonntag weiß ich auch, dass ich nochmal kommen werde.

In der nächsten Woche gibt es von Montag bis Freitag die Unterweisung S.H. über die „400 Verse Aryadeva´s“. Schwere Kost und für mich in weiten Teilen noch vollkommen ungeeignet (finde ich).
Jedoch um den Dalai Lama noch einmal zu erleben und auch in der Hoffnung aus den Texten und Unterweisungen doch noch etwas mitnehmen zu können steht der Entschluss quasi fest. Und so fuhr ich am Donnerstag wieder von Fehmarn nach Hamburg, suchte den Vetter P. auf, kaufte am Freitag eine Tageskarte und ließ mich noch einmal darauf ein.

Hier war die Atmosphäre dann wieder ganz anders. Saßen am Wochenende mehr oder minder nur oder überwiegend Laien im Stadion so sind es nun fast nur Praktizierende und Ordinierte.

Die Stimmung ist noch ruhiger, noch gespannter und S.H. spricht auch mehr oder minder speziell dieses Publikum an. Einige kurze Sätze auf Tibetisch, dann ist der Übersetzer dran. Dieser ist übrigens der Leiter des Tibetischen Zentrums in Hamburg und macht seine Sache hervorragend.
Hat S.H. am Wochenende ausschließlich in Englisch gesprochen, so geht es nun nur noch in Tibetisch. Alle Achtung.

Irgendwann dann zieht es mich nach draussen, meine Aufnahmebereitschaft ist erschöpft.

Und so verneige ich mich kurz vor S.H., murmel ein stilles „Namaste“ in seine Richtung und gehe – um mich draussen erst einmal lange Zeit auf ein Stück Rasen zu setzen und zu verarbeiten …

Und 2009 werde ich, so mein Karma günstig ist :-), wieder da sein, in Frankfurt, um an der Unterweisung S.H. über „Leben und Sterben aus der Sicht des Buddha“ teilzunehmen :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*