Ein Greenhorn

„Lieber Leser, weißt du, was das Wort Greenhorn bedeutet ?“

Eingeweihte wissen jetzt spätestens Bescheid.

Ja, mein Verhältnis zu diesem Autor wurde irgendwie in der letzten Zeit mehrfach zum Thema. Einmal hab ich bei Merlix eine kurze Diskussion um die Sammelleidenschaft wegen dieses Herrn geführt, dann machte mich letzthin ein jüngerer Herr darauf aufmerksam, dass ich wohl in frühster Jugend entschieden zuviel Karl May gelesen hätte. Man könnte das an meinem Schreibstil so identifizieren :-)

Nun, ich geb zu, die angesprochene Passage kann ich mir schon denken; danke für soviel Lob !!

Wo gerade dieser junge Herr um Inhalt und Geschichte der Karl May Bücher kaum weiss :-)

Aber gut, ich oute mich !

Seit frühester Jugend bin ich gnadenloser Karl May Fan !!

Auch wenn der Schreibstil manchmal schwer verdaulich erscheint, vor lauter schwarzweiß Malerei, vor lauter christlichem Gedankengut und auch vor seitenweisen Landschaftsbildern, so kann man doch in „höheren Alter“ diesen Ausführungen durchaus in der ein oder anderen Weise Respekt zollen. Karl May´s Gedankengut von Gut und Böse rührt in den Büchern von einer tiefen christlich religiösen Überzeugung her, was wohl heute ein jeder gelegentlich mal gerne so sehen möchte (Gut und Böse). Denn während wir (nicht nur) heute so in unseren Grauzonen leben, so haben wir, wie es mir scheint, den klaren Blick für die Unterschiede manchmal ein wenig verloren.

Mann, was war das früher einfach. Als ich als ca. 10 jähriger vom Patenonkel das erste Buch, Winnetou I, bekam, konnte ich anfangs noch nicht soviel damit anfangen. Ich erinnere mich, es war Weihnachten, alle versammelten sich am 2. Feiertag bei Oma und Opa und ich bekam von Ihm dieses Buch in die Hand gedrückt. Irgendwie sollte ich seines Erachtens glaube ich auch mal Pfadfinder werden, aber das wurde dann aufgrund des „Kronprinzenstatuses“ auch wieder nichts. Na ja, was soll ich sagen, die Wartezeit auf die nächsten Bücher (Weihnachten, Geburtstag) wurde hernach manchmal schon arg lange, selbst wenn es zu diesen Anlässen dann wohlweislich immer gleich 2 – 3 Bücher gab. Mit meinen Helden dieser Zeit begann ich Gut von Böse (in den Filmen Schwarz und Hell gekleidet ;-) ) zu unterscheiden, Männerfreundschaften zu schätzen, durch fremde Welten zu reisen, die Welt zu retten – und Nächteweise unter der Bettdecke zu lesen !

Ich zog durchs wilde Kurdistan, durch Nordamerikas Prärien, durch Südamerikas Pampas und Dschungel, war in China, Arabien, und sonstwo. Ich beschäftigte mich mit Apatschen, Kommantschen und Sioux, mit Inkas, Komantscheros, mit Arabern, Kurdenstämmen – kurzum ich wurde international gebildet :-)

Und dann kam dieser veregnete Nachmittag zuhause am Küchentisch mit dem Buch Winnetou III, Kapitel 15. Ich hab Rotz und Wasser geheult, war fast unfähig mich wieder zu beruhigen und hätte in diesem schrecklichen Moment am liebsten alle Ogellallah´s ausgerottet, so eine Wut stieg in mir hoch. Hab bei der Familie größeres Erstaunen hervorgerufen, wie sollten sie denn wissen, dass gerade der Held meiner Jugend niederst dahingemeuchelt worden war …

Aber auch da kamen noch beruhigende Kapitel und auch noch Bücher, die den Weltenlauf wieder ins rechte Blickfeld zu setzen versuchten ( Karl May blieb auch nichts anderes über, er selbst war nach dem Ableben Winnetous mit größeren Anfeindungen bis zu Morddrohungen konfrontiert :-) ).

In den Folgejahren hab ich mich dann doch ein wenig anderer Lektüre zugewandt. Aber meine tiefe Verbundenheit für die Karl May Geschichten ist erhalten geblieben. Und heute, wenn es mir mal richtig sch… geht, dann ziehe ich gelegentlich eines dieser Bücher hervor und bewahre mir den Glauben daran, dass das Gute immer siegt ;-) …

Howgh, ich habe gesprochen !

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