Kambodscha – Angkor Wat

2004 – auf ins alte Reich der Khmer

Irgendwie hatte ich in diesem Jahr mal die Nase von Nepal voll, aber Asien sollte es doch wieder sein. Aufgrund einer Postkarte von Herrn Sathi aus Angkor hab ich mir dann mal gedacht, „och, da kannste ja auch mal gucken“ . Zumal mir Angkor Wat schon länger in der Nase lag. Die Entscheidung fiel dann ziemlich spontan, vor allem aber auch, weil oben genannter Herr (das war der, der mich 2001 die ersten Meter nach Kathmandu mit reinnahm) der Meinung war, dass das gar nix für mich wäre …

Also hab ich mir im April per Internet ein Flugticket über Bangkok nach Phnom Phen gekauft, dort ein Hotel ebenfalls über Netz gebucht (ich wollte einfach wissen wo ich die ersten Nächte penne) und dann mal bis Oktober gewartet.

Mitte Oktober bin ich dann unter recht widrigen Umständen gestartet, die Tage zuvor waren eher katastrophal, ich war froh als ich im Flieger sass.

Bewaffnet mit einem 70 ltr. Rucksack und meiner Kamera ging es ab nach Phnom Phen. Mehr Gepäck braucht man übrigens wirklich nicht, ich bin schon knatschig wenn mein Seesack mehr als 15 kg wiegt, wenn ich nach Nepal fliege. Und auch hier hatte ich eindeutig zuviel mit.

Interessant war, dass ich eigentlich nur wußte, dass ich eine Woche nach Seam Reap zum Angkor Park wollte. Über die restlichen zwei Wochen hatte ich eher nur wage Vorstellungen, vielleicht etwas Strandurlaub, vielleicht noch ein bischen Minensuchen im Binnenland, alles war offen.

In Phnom Phen angekommen wurde ich sogar abgeholt, zum Hotel gefahren und auch die Konversation lief super auf Englisch. Ich hatte schon bedenken, weil ich kein Wort Französisch spreche. Die wichtigsten Worte der Höflichkeit in Khmer kannte ich aber schon.

Es ist übrigens erstaunlich mit welcher Freundlichkeit man so in Asien behandelt wird, wenn man nur Worte wie „Guten Tag“, „Danke“, „Bitte“ oder zum Beispiel „Entschuldigung“ in der Landessprachen beherrscht. Alles andere ist egal und wird schon geregelt.

So bin ich dann am ersten Tag durch Phnom Phen „geirrt“, bin am Mekong spazieren gegangen, habe die Hektik Phnom Phens genossen, Amok Fisch (Nationalgericht) gegessen, Bier getrunken, und mal so geschaut. Ich war auch viel zu müde für irgendwas aufregendes, hab abends im Hotel auf der Terasse gehockt und war recht früh schlafen.

Das Hotel war so ein kleines Geschäftshotel. Geführt von einem Schweden und seiner kambodschanischen Frau kamen dort vorwiegend Monteure und u.a auch ein pensonierter deutscher General unter. Diesem war zuhause zu langweilig, also heuerte er bei einer NGO (Non Goverment Organsation) an und überwachte die Verschrottung von Waffen der Khmer Rouge. Kambodscha gehört nämlich eindeutig zu den Ländern, wo es die meisten Waffen gibt. Man gab sich dort übrigens die größte Mühe mit mir, die Mädchen haben mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen, mir die Schiffstickets nach Angor besorgt, das Hotel in Shianokville am Golf von Siam und und und, vielleicht auch deshalb, weil ich sie in Ruhe ließ …

Das ist nicht unbedingt üblich, der Anteil an „alten Männern“ mit jungen Frauen ist erschreckend hoch, manchmal einfach zum kotzen. Und wo wie hier in großen Schautafeln Reklame für Bettwäsche haben, wird in Phnom Phen in ebensolchen auf die Strafen für Kindesmissbrauchs hingewiesen … !

Ja, Phnom Phen ist schon eine Nummer für sich.

Am ersten ausgeschlafenen Morgen hab ich dann allen Mut zusammengenommen und bin zum S 21 (Sicherheitsgefängnis 21) der Khmer Rouge gegangen, das heutige Tuol Sleng Museum. Dort traf ich einen Schweden und drei deutsche Mädchen. Die erforderliche Führung haben wir uns dann gemeinsam „angetan“. Nie wieder !!
Auf denn Besuch der Killing Fields habe ich danach verzichtet, der Tag war restlos im A… und wir alle vier waren vollkommen platt. Sicherlich ist es ein Teil der Geschichte und darum habe ich diesen Weg auch genommen, auch würde ich mir in Vietnam wahrscheinlich My Lai ansehen, aber lieber Leser, wenn Ihr mal dahin kommt, und nicht Nerven wie Drahtseile habt – laßt es bitte um eures Seelenfrieden willens sein !

Am folgenden Tag wollte ich nur noch Ruhe und habe daher dem Königspalast, der Silberpagode und dem Nationalmuseum einen Besuch abgestattet. Unbedingt zu empfehlen, sehr schön, sehr ruhig, sehr beschauliche, sehr fremdartig – alles !

Dann reichte es in Phnom Phen, ich hatte eh schon das Gefühl zu lange dort gewesen zu sein. Also per Speedboat über den Tonle Sap in fünf Stunden hoch nach Seam Reap. Auf diesen Booten sitzen wir alle tunlichst auf dem Dach, die Dinger liegen mordstief im Wasser und haben nur zwei kleine Ausgänge !

In Seam Reap werde ich wieder abgeholt, auch dort ist schon von mir vorgebucht. Hier komme ich in einem wunderschönen kleinen Hotel unter, welches aus Stein und Holz nach Landesbauart gebaut wurde. Französische Leitung, französische Küche, ebensolche Lebensart und dann ist da noch Rome. Jetzt hab ich sogar abends eine Aufgabe, die Woche ist mit Deutschlektionen gefüllt. Jeden Abend sitzen wir zusammen, und versuchen in Englisch gefaßte Text ins Deutsche für Sie zu übersetzen. Schön war es, wir schreiben uns heute noch regelmäßig eMails …

Nach der Ankunft jedoch habe ich nur noch ein Ziel – Angkor Wat. Ich bekomme ein Taxi, löse am Eingang zum Angkor Park ein sechs Tage Ticket und dann kommen die letzten Meter, die ersten Wassergräben, die letzte Kurve – und dann endlich, hinter Umrandungen aus Wassergräben, Bäumen und Mauern

die Türme von Angkor Wat !!

Die Kamera bleibt eingepackt und ganz ganz langsam nähere ich mich über die Brücke der ersten Umrandungsmauer, dann die zweite und dann steh ich fast unmittelbar davor.

Pure Magie !!

Nach der Umrundung und Durchwanderung, erst dann packe ich die Kamera aus, das erste Mal wollte ich nicht durch ein Objektiv schauen. Danach jedoch habe ich die Filme quasi gefressen.

Tags darauf geht es nach einem eher spartanischen Frühstück erst zum örtlichen Fahrradverleih (was eine Gurke für einen mittelgroßen Europäer) und dann sofort nach Angkor. Erstmal sattsehen und dann laß ich das Fahrad stehen und mach mich bei knapp 35°C auf die Socken um den kleinen Rundwanderweg (knapp 17 km) zu Fuss zu erkunden. Für so ganz sauber im Kopf hat mich da wohl keiner gehalten, alle machen das per Rikscha oder Moped. Nur die Nordeuropäer, so erzählt mir ein Kambodschaner zwischendurch mal, würde man laufen sehen. „Totally crazy People“ …

Zuerst geht es nach Angkor Thom, einer ehemals riesigen Stadt, durch das Eingangstor mit den Köpfen Avalokitshvara´s, in jede Himmelsrichtung einer. Dann auf und durch den Bayon, den großen Tempel Angkor Thoms der überall mit großen Türmen versehen ist, von denen ebenfalls alle in jede Himmelrichtung die Köpfe Avalokitshvara´s tragen. Dieses Lächeln wird übrigens als der Ursprung des Lächeln Indochinas angesehen.
(könnte so mancher Zeitgenosse auch hier mal versuchen …)

Nach dem Bayon sehe ich im Spaziergange „Terrace of the Elephants, Terrace of the Lepra King, Ta Keo (hier bin ich mal hochgeklettert – bei uns würden wir das ohne Sicherung nie tuen) und dann geht es nach Ta Prohm.
Dort gibt es erstmal ein kleines,, höllisch scharfes Mittagsessen, zu dem mir ein Ami Gesellschaft leistet. Der will auch flugs zwischendurch mal nach Hause, bevor er weiterreist, um gegen George W. zu stimmen – es sind ja Präsidentschaftswahlen dort. Die Bewegung heißt dort „Vote against Bush“ und scheint doch ziemliche Auswüchse zu haben, nur wie wir bald wußten, genützt hat es leider gar nichts. „Die spinnen, die Amis“

Ta Prohm ist danach die Überraschung des Tages ! Die gesamte Ruine ist zwar vom Unterholz befreit, aber nicht von den riesigen Bäumen. Und so schlingt sich unendliches dickes Wurzelwerk um, unter und über die Mauern und hält es somit auch im seinen Grundfesten. Ohne wäre vermutlich alles schon zusammengekracht !

Von hier aus gehe ich über Banteay Kdei wieder zurück nach Angkor Wat welches ich erst gegen Sonnenuntergang wieder ereiche. Da steige ich noch schnell die paar Meter zum Phnom Bakeng hoch und mache ein wunderbares Bild von Angor Wat wie es aus dem Dschungel aufragt. Noch war Angkor aber nicht ins Abendrot getaucht und ich hab auch kein 300er Zoom dabei – also werd ich hier wohl nochmal hin müssen !

Tags darauf stehe ich um 05.00 Uhr auf und radele in der Dunkelheit raus nach Angkor um diesen phantastischen Anblick bei Sonnenaufgang zu geniessen. Ich bin wahrlich nicht der einzige, aber jeder nimmt beim fotografieren Rücksicht, so ist alles sehr schön und entspannt. Dann zurück zum frühstücken und nun nehm ich die große Runde unter die Pedalen. Und wieder Kopfschütteln geerntet . Hier bin ich jetzt den Rest des Tages unterwegs, aber so schöne Anlagen wie gestern sind nicht mehr dabei. Dafür um so mehr Landschaft, prima …

Die nächsten Tage bestehen wieder aus Angkor bei Sonnenauf- und Untergang, einer Bootsfahrt auf dem Tonle Sap, einem Besuch des schwimmenden Vietnamesischen Dorfes, einem Tagesausflug hinten auf einem Moped (nie wieder !) nach Banteray Srei und Kbaal Spean (sehr schön übrigens) und dann geht es per Bus über Land wieder zurück nach Phnom Phen.

Einen Tag später wieder per Bus nach Shianokville zum Golf von Siam. Ich gönne mir tatsächlich Strandurlaub – eine Woche lang ! Und das tat gut ! Hab mir zuerst mal ein Moped gemietet, nachdem ich jeweils eine dreiviertelstunde zum Strand hin und zurückgelaufen war, bei knapp 37° ohne Schatten. Aber hier Mopedfahren ist schon ein Abenteuer für sich. Erstmal gewöhne ich mich auf einem Nebenweg an die Schaltwippe und dann auf der Hauptstrasse an die Art und Weise zu fahren. Immer mitten rein, schön gucken und dann – durch ! Aber die Leute erkennen mich Greenhorn ja sofort und alle nehmen Rücksicht – danke liebe Leute, eure medizinische Versorgung ist ja eher unterentwickelt. Die Tage liege ich unterm Sonnenschirm, geniesse Lobster und Fishcurry, die Abende verbringe ich ebenfalls am Strand. Auf allen Tischchen stehen Kerzen, überall läuft Musik und die Hauptsprache ist Englisch – gar lustig und lange, diese Abende.

Mit dem Hotelbesitzer entwickelt sich jeden Morgen ein netter Erfahrungsaustuasch bezüglich Nepal, auch er war bereits mehrere Male dort, wir treffen uns dort eines Tages am Annapurna !

Nach einer Woche noch einmal per Bus nach Phnom Phen, dort noch eine Nacht, die ich aufgrund eines Buchungsfehlers in einem Luxushotel verbringen „darf“ und dann geht es ab nach Hause.

Im Flieger nehm ich die übliche Schlaftablette, das Abendessen krieg ich gerade noch so hin bevor ich zur Seite kippe – und als ich so sechs Stunden später aufwache hab ich nicht nur die ganze Sitzbank für mich, sondern auch keine Schuhe mehr an und eine Wolldecke über mich gelegt, so klingt der Uralub im Flieger höchst angenehm aus. Danke !

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