Annapurna Runde

2002 – die klassische Umrundung über den Thorong La (5416 m NN)

(… also, eine Reisebericht nach gut viereinhalb Jahren zu schreiben gestaltet sich für gewöhnlich schwierig, aber da das Programm sich hier niemals ändert, kann ich anhand der DAV Beschreibung und auch meiner Foto´s nochmals tief in meinen Hirnwindungen nachforschen und auch finden !)

Ich hatte schon im „Kali Gandaki“ Bericht erwähnt, dass als nächstes die gesamte Umrundung in mein Blickfeld gerutscht war. Und da ich bei der ersten Tour auch die Frau B. kennenlernte, die ebenfalls vollkommen begeistert mit dem selben Vorhaben spielte, war es ebenso vollkommen klar, das wir beide Anfang 2002 nach Berchtesgaden zum Trekkertreffen reisten, um dort vor Ort diesen Trek zu buchen. Ich darf in diesem Zusammenhang noch die Flasche Sekt erwähnen, die wir beide nachher am Königssee bei Minustemperaturen auch wieder vollkommen glückselig lehrten.

Dann noch flugs flugs auf den Randhoj als Führer hingewiesen, den jungen Herrn R. mit ins Boot genommen, und es konnte im Oktober losgehen (und die Zeit verging dann doch so schnell bis dahin).

In Kathmandu angekommen begrüssen wir kurz den Randhoj und dann ab auf die Strasse !

Was mir ein Jahr zuvor noch Sorgen gemacht hatte, entpuppte sich nun als Kinderspiel. Ich weiß noch wie wir drei trotz 22 Stunden Anreise glücklich und zufrieden in Patan sassen, Tee schlürften, auf den Durbar Square schauten und Buddha und sonst alle Götter einen guten Mann sein liessen…
Einen Tag noch in Thamel (downtown Kathmandu) und dann geht es wieder per Bus los, diesmal nach Bensisahar in gut 7 Stunden für ca. 200 km …

Diesmal war das aber alles nicht ganz so lustig. Im Frühjahr hatte es in Bensisahar eine wilde Schiesserei zwische Mao´s und Regierungstruppen gegeben, die allgemeine Stimmung war immer noch recht angespannt. Davon bekam aber nur mit, wer um die Verhältnisse wußte. Später dann auf dem Trek allerdings, mußte es jedem auffallen, wir haben soviele Soldaten und Maschinengewehrnester gesehen, wie davor oder danach nie wieder. Und die Telefonleitungen in der Kali Gandaki (durch die wir auf dem Rückweg ja wieder kamen) waren alle gesprengt …

Ab Bensisahar gehen wir dann über eine recht (vollkommen) unstabile Hängebrücke am nächsten Morgen durch subtropische Vegetation los.

Es ist warm, trocken und mein Herz fängt so richtig an zu jubeln. Es gibt nichts entspannteres als durch Nepal´s Landschaften zu ziehen, egal wie anstrengend es auch sein mag. Überall hört man ein freundliches „Namaste“ im vorbeigehen, die Hände vor die Brust gelegt, viele Menschen (auch unser Trupp) singen ihr fröhliches „Resham Piriri“ …

Tags darauf, auf dem Weg nach Jagat wird es dann schon spannender. Erst müssen wir über einen etwas reissenden Bach mittels eines glitschigen Baumstammes balancieren. Und belohnt werden wir dann durch den unmittelbaren Anblick eines der 14 Achttausender, dem Mansalu. Umwerfend !

Mit diesem im Rücken, steigen wir in den nächsten Tagen über Dharapani und Chame nach Pisang hoch (3185 m NN). Pisang ist mir gut in Erinnerung geblieben. Wegen dem Pisang Peak, einem wahrhaft schönen 6000 er – und wegen dem Mahnmal unweit der Lodge. Denn an eben diesem wunderschönen Berg verunglückten in den 80ern ein kompletter DAV Trupp mit 14 Bergsteigern und Führern. Ihnen zum Gedenken steht das Mahnmal dort, eines von mehreren die wir im Laufe der Tour und ich auch im Laufe der nächsten Jahre sehen. Und immer wieder erschütternd und sehr nachdenklich stimmend.
Vielleicht darf ich hier den Ereignissen insofern vorgreifen, als dass ich ein Jahr später auf dem Everest Trek in einem ganzen Feld von Erinnerungschörten stehe, und plötzlich und unerwartet auch vor dem von Scott Fischer

Zurück zur Annapurnarunde.

Tags darauf geht es hoch nach Braga, immer im Blick von Annapuna II bis IV, Chulu- und Tilichio Peak, wo wir zum Akklimatisieren zwei Tage bleiben. Den nächsten nutzen wir dann um zu einem Kloster in 4700 m NN aufzusteigen. Die Foto´s sind gigantisch geworden. Oben bekommen wir von einem uralten Lama, der war so ca. 80 Jahre alt, eine Tasse Tee, „dürfen“ ranzigen Buttertee kosten (brrrr …) und kriegen zum Abschied mit dem Mantra „Om mani padme hum“ bei aufgelegter Hand ein rotes Band als Talisman geschenkt. (Jahre später, genau drei, besorgt Randhoj mir von eben diesem Lama einige neue, die alten waren verschenkt oder verschlissen).

Dann geht es über Manang zur Hochalm Yakharka hoch. Irgendwann zwischendurch komm ich auf die grandiose Idee mir doch mal eine warme Fleecemütze zu besorgen, selbst hier oben kein Problem. Die hat mir auch in den darauffolgenden Jahren gute Dienste geleistet. Und war auch verd…. nötig, es wurde immer kälter, ziemlich unangenehm teilweise. Der junge Herr R. wurde zwischendurch mal kurzfristig krank, wir haben Ihn dann mit Mützen, Decken und einigen Tabletten über Nacht reichlich zum transpirieren gebracht – tags darauf riss er wieder seine Sprüche.

Im Angesicht des Gangapurna´s (7454 m NN) und der Chulu East u. West geht es nun die letzte Etappe vor dem Pass hoch nach Thorong Pedi (4500 m NN) von wo aus wir alle am nächsten Morgen gegen 03.00 Uhr hoch zum Pass, 5416 m NN, aufbrechen.

Der Aufstieg war traumhaft schön und anstrengend. Nie werde ich vergessen, wie wir uns bisweilen umdrehten, den Himmel voller Sterne, kaum Mond und doch so hell, das jeder Eisspalt der umliegenden Berge genau zu erkennen war. Auch wenn ich ganz hinten an gehe, die letzten Meter gehen wir drei zusammen, Arm in Arm, die beiden haben auf mich gewartet. Oben angekommen die üblichen Glückwünsche, dann stehle ich mich zur Seite, ein Blick runter in die Kali Gandaki und weine ich vor Glück und Erschöpfung wie ein Schlosshund …

Unsere Träger bekommen anschließend erstmal eine Runde Tee von mir, hier oben gibt es so eine Art Nothütte die auch bewirtschaftet wird. Flugs noch die Gipfelfoto´s (besonders witzig und gut gelungen), auch unsere Gebetsfahnen werden aufgehängt – Dank an euch alle Götter für den unbeschadeten Aufstieg ! Dann geht es 1700 m bergab, runter nach Mukthinat, wo ich im letzten Jahr vor dem Pass stand und beschloss „der wird das nächste Ziel auf dem Weg zum Everest“.

In Mukthinat haben wir alle den Wunsch unseren Daheimgebliebenen von unsere glücklichen Überquerung mitzuteilen; unmöglich, die Mao´s haben entlang der Kali Gandaki wie bereits erwähnt ganze Arbeit geleistet.

Tags daruf geht es nach Kagbeni, alles bereits vertraute Terrain. Randhoj läßt die Frau B., mich und auch den jungen Herrn R. dann „frei“ laufen. Wir bekommen bei den abendlichen „Inpormations por tomorrow“ (Nepali können kein F sprechen) nur noch die Lodge und den Ort des nächsten Tages genannt, fertig. Man kann sich aber auch nicht so wirklich dort verlaufen.

Uns so langsam näheren wir uns durch die Kali Gandaki dem nächsten absoluten Höhepunkt der Tour. Waren im Verlaufe des Anmarsches auf den Pass alle Gedanken auf diesen gerichtet und die Frage nach dem danach groß, so verwies ich immer auf den Poon Hill. Und dahin waren wir nun unterwegs.

Über Marpha, Kalopnai und Tatopani geht es hoch nach Gorepani. Beim Weg nach oben liefert mir der junge Herr R. voller Übermut ein Rennen. Nicht schlecht drauf, macht der junge Springinsfeld aber den fatalen Fehler viele Meter hochrennen zu wollen.
Und das mir !
Die Stöcke raus, die Schrittschlagzahl erhöht – und nach einigen hundert Meter gibt er dann doch auf, ich hab ihn eingeholt … in dieser Höhe (knapp 3000 m NN) rennt man eben nicht mehr …
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Am nächsten Morgen in tiefer Finsternis wieder um 05.00 Uhr auf dem Weg hoch zum Gipfel (3600 m NN). Ich weiß ja nun schon aus dem letzten Jahr was auf mich zukommt, trotzdem steh ich so unter Strom, das ich dem Teeverkäufer oben statt 100 NPR incl. Tip einen 500er Schein in die Hand drücke, das fällt mir erst unten wieder auf. Der wird sich aber gefreut haben.

Und dann geht die Sonne auf !!

Unbeschreibliche Schönheit ringsum, nicht zu beschreiben …

Später, nach dem wir staunend, schweigend, andächtig und auch demütig ob des Anblickes dort oben stehen, merken auch unsere Gipfelstürmer, dass es noch was anderes als nur Höhenmeter gibt.

Dann wieder herunter, frühstücken und immer noch ganz leise auf zum Abmarsch, runter Richtung Tirkedunga.

Hier gibt es am Abend ein rauschendes Abschiedsfest von unseren Trägern, ich hab die Ehre einige Worte zu sagen, Randhoj übersetzt. Das „Dankeschön“ auf Nepali beherrsche ich aber und so kann ich jedem einzelnen mit diesen Worten die Hand schütteln.

In diesem Zusammenhang kann man sich ja bitte mal vorstellen, was diese an Statur deutlich kleineren Männer mit unserem Gepäck (ca. 35 kg/Träger) bergauf und bergab, immer voran, so leisten. Ich würde nach spätestens drei Stunden elendig zusammenklappen …

Dann geht es über Pokhara wieder nach Kathmandu, dort haben wir noch zwei Tage Zeit, die nur noch in der Stadt genutzt werden. Wenn ich mit 15 kg Gesamtgewicht nach Nepal reise, so komme ich doch meist mit über 20 kg wieder zurück !

Das Abschiednehmen von Randhoj fällt jetzt extrem schwer, wir hatten doch einige Zeit miteinander verbracht, der Freund bleibt nun dort, 6700 km entfernt – aber nächstes Jahr dann …

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