Kali Gandaki – zwischen Dhaulagiri und Nilgiri

2001 – durch die tiefste Schlucht der Erde hoch zum Pilgerort Mukthinat.

Der Anfang einer Leidenschaft für Nepal beginnt im Grunde genommen mit einem höchst klammen Gefühl. Bis dato war ich noch nicht aus Europa hinaus gekommen und hinausgezogen hatte mich auch nichts.

Und dann mußte es aber gleich ins Himalaya gehen :-)

Nach 13 1/2 Stunden Flug komm ich in Asien an !

Ein Kulturschock sondergleichen !!

Mein Zimmergenosse hat das schon längst hinter sich und nimmt mich vertrauensvoll mit nach Kathmandu rein. 5 km laufe ich mit, dann reicht es. Ich dreh um und geh alleine (wie mutig) zurück zum Hotel, wo die Reisegruppe untergebracht ist. Mit mir waren ein Freund und einer meiner Cousins gekommen, ich war also nicht so ganz alleine, 6700 km von Zuhause entfernt.

So habe ich mich beim ersten Male in Kathmandu gefühlt, heute bekomme ich von dieser Stadt und diesem Land nicht mehr genug!

Nach zwei Tagen eingewöhnen werden wir von unserem Führer Ranadhoj samt seiner Gattin Sarita abgeholt, ab in den Bus und dann 7 Stunden Überlandfahrt – für ca. 210 km – nach Pokhara, Richtung Annapurnamassiv. Dort geht es nach einer Nacht los. Mit dem Kleinbus (18 Plätze / 36 Personen) zum Ausgangsort unseres Trekkings und sofort den Rucksack auf und los. Der Tag sollte aus 500 Stufen Aufstieg bestehen, es waren eher gefühlte 2500. So ging es jetzt 3 Tage lang hoch und runter, von 1100 m NN auf 3130 m NN auf 1200 m NN wieder runter bis nach Tatopani, Eingangsort in die Kali Gandaki.

Nun muss man sich diese Schlucht keinesfalls eng vorstellen, vielmehr gleicht sie einem überbreiten Flussbett was kaum Wasser führt und daher zu dieser Zeit (Oktober) begehbar ist. Und die tiefste ist sie weil sich rechts von ihr der Dhaulagiri mit 8167 m NN und links der Nilgiri mit 7061 m NN erhebt. Von den anderen „Hügeln“ mal ganz abgesehen. Die kleinen unbenannten Gipfel werden dort tatsächlich als „just Hills“ bezeichnet !

In den nächsten 4 Tagen wandern wir über Ghasa, Tukche und Jomosom nach Kagbeni. Hier ist das Tor zum Königreich Lo Mustang. Und hier geht es tagsdrauf 1000 m bergauf zu den Tempeln von Muktinath.
Dieser Tempelbezirk liegt direkt unterhalb des Thorongpasses, der sofort mein erklärtes Ziel für das Jahr darauf wurde.
Nach einem Tag der Besichtigung der 108 Wasserspeier und verschiedenen Tempel (dazu gibt es einen prima Film von Dieter Glogowski der „Nepal“ heißt) incl. dem Wunderfeuer im Jwala Mai Tempel (dort entzündet sich Erdgas bei der Berührung mit Luft) steigen wir ab und laufen direkt durch bis nach Marpha.
Über Kalopani mit Aussicht auf das Annapurnamassiv und Tatopani geht es in 2 Tagen bis nach Chitre. Von dort aus nochmal ein heftiger Vormittag hoch nach Ghorepani.Am Nachmittag steigen wir drei die paar Meter zum Gurungpass hoch und machen teilweise phantastische Aufnahmen vom Dhaulagiri, Annapurna und meinem erklärten Lieblingsberg, dem 6993 m hohen Machapuchare.

Wenn man so alleine dort oben sitzt und ins Rund schaut, dann ergreift einen ein eigenartiges Gefühl der Schwäche und Demut. Selbst wer bis dahin nie ans Beten denkt, spätestens dann hält man Zwiesprache, mit sich und seinem Glauben.

Der nächste „Wahnsinn“ folgt dann am darauf folgenden Morgen. Um 5 Uhr steigen wir hoch auf den Poon Hill (3194 m NN) um dort das Schauspiel eines Sonnenaufgangs im Himalaya zu beobachten. Ich kann es hier nicht beschreiben, trotz dessen, dass ich es nun bereits zweimal erleben durfte, es haut einen komplett um !!
Nach dem Frühstück ging es dann in 2 Tagen zurück über ca. 2000 Treppen runter nach Pokhara. Einen weiteren Tag später fuhren wir mit dem Bus wieder nach Kathmandu.

Auch hier verlasse ich das Hotel kaum, aber nun zusätzlich weil ich so „platt“ von all den Eindrücken bin, das ich viel Ruhe brauche.

Mit Ranadhoj tausche ich E-mail und Postadressen aus, bevor wir zurückfliegen. Es ist eine Freundschaft daraus entstanden die immer noch anhält und stetig belebt wird.

Ich habe Wochen gebraucht, um all die Erlebnisse langsam zu
verarbeiten die ich von dort mitbrachte. Und es erfaßt mich immer wieder eine große Sehnsucht nach Nepal, nach den Bergen, den Menschen und auch nach dem spirituellen Leben welches sich dort im Alltag wiederspiegelt.

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